Der Romanist Karlheinz Barck ist am Sonntag verstorben – ZfL Berlin

He was the best there was. Human. 

Der Romanist Karlheinz Barck ist am Sonntag verstorben

Es gab nicht viele Romanisten aus der DDR, die internationale Wertschätzung genossen. Karlheinz Barck, 1934 in Quedlinburg geboren und von Freunden und Kollegen stets Carlo genannt, war zweifellos einer von ihnen. Barck war ein führender Kopf beim Aufbau des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung (ZfL), dessen interdisziplinäres Forschungsprogramm er mit seinem vielsprachigen intellektuellen Horizont und seinen internationalen Kontakten wesentlich mit geprägt hat. Unter seiner Federführung wurde das große Projekt der Ästhetischen Grundbegriffe erarbeitet, dessen erste Pläne und Konzepte noch am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR entstanden waren. Nach der Wende konnte dieses Projekt dann zusammen mit Kollegen aus Ost und West (M. Fontius, D. Schlenstedt, B. Steinwachs, F. Wolfzettel) als Historisches Wörterbuch in 7 Bänden (2000–2005) realisiert werden. Es gilt als Meilenstein in der Entwicklung der großen begriffsgeschichtlichen Vorhaben und bildete einen der Brückenköpfe für die Gründung des ZfL. Hier hat Carlo Barck viele Jahre als Ko-Direktor gewirkt und war bis zuletzt als Berater des Projekts zur Interdisziplinären Begriffsgeschichte tätig.
Nach dem Studium an der Berliner Humboldt-Universität war er zunächst für einige Jahre in Rostock tätig, bevor er 1966 an das von Werner Krauss gegründete Akademie-Institut für romanische Sprachen und Kultur ging, das 1969 im Zentralinstitut für Literaturgeschichte aufging. Dort war er von 1976 bis 1991 als streitbarer Bereichsleiter für Theorie und Methodologie der Literaturwissenschaft zuständig. Während dieser Zeit gelang es ihm, interessierte Literaturwissenschaftler der DDR mit führenden Theoretikern in der BRD, in den USA und in Frankreich zu vernetzen. Als Schüler von Werner Krauss und als subtiler Kenner der europäischen philosophischen und literarischen Tradition mit einem besonderen Faible für die französische und spanische Avantgarde war er ein begehrter Diskutant in den heißen Jahren der internationalen Theoriedebatte. Neben seiner Monographie Poesie und Imagination. Studien zu ihrer Reflexionsgeschichte zwischen Aufklärung und Moderne (1994) gehören zu seinen Veröffentlichungen u.a. ein Lesebuch zur Geschichte des Surrealismus in Paris 1919–1939, eine zweisprachige Sammlung mit Gedichten Rimbauds, Texte des Kommunikationstheoretikers Harold A. Innis, eine Edition von Werner Krauss’ Essays zur spanischen und französischen Literatur- und Ideologiegeschichte der Moderne sowie eine Anthologie mit Grundlagentexten zur (post-) modernen Ästhetik.
2007 gab er, gemeinsam mit Martin Treml, einen Band zu Erich Auerbach heraus, der Untertitel lautet »Geschichte und Aktualität eines europäischen Philologen«. Nichts weniger war auch Carlo Barck: ein großer Romanist und europäischer Philologe.
Bis zuletzt war er dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung intellektuell und persönlich verbunden: als immer gesprächsbereiter Kollege, der stets auf jeden Menschen neugierig war, der seine übersprühenden Ideen sowie seine enzyklopädische, polyglotte Gelehrsamkeit bereitwillig mit anderen teilte. Carlo Barck starb am 30. September. Sein überraschender Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke. Wir trauern um einen Freund und großen Intellektuellen.